Fenster beschlagen von innen, sobald die Scheibe kälter ist als der Taupunkt der Raumluft. Die Schwelle hängt an der Verglasung: Bei 20 Grad Raumtemperatur und null Grad draußen beschlägt Einfachglas schon ab 37 Prozent Luftfeuchtigkeit, modernes Zweifach-Wärmeschutzglas erst ab 84 Prozent. Deshalb wirkt derselbe Ratschlag bei zwei Haushalten völlig verschieden.
Warum ausgerechnet die Scheibe nass wird
Warme Luft trägt mehr Wasserdampf als kalte. Kühlt sie ab, kommt der Punkt, an dem sie ihn nicht mehr halten kann, und der Dampf wird wieder flüssig. Diese Temperatur heißt Taupunkt. Bei 20 Grad Raumluft und 50 Prozent relativer Feuchte liegt sie bei 9,3 Grad, bei 65 Prozent schon bei 13,2 Grad. Alles im Raum, was kälter ist als dieser Wert, wird nass.
In einer Wohnung mit älteren Fenstern ist die Fensterscheibe fast immer die kälteste Fläche. Eine Außenwand hat je nach Bauart zwanzig bis vierzig Zentimeter Material zwischen dir und dem Wetter, die Verglasung hat wenige Millimeter Glas und eine Gasfüllung. Das Fenster ist deshalb kein Problemverursacher, sondern eine Anzeige. Sie zeigt zuerst, was im ganzen Raum schon gilt.
Der Taupunkt der Raumluft hängt nur an Temperatur und relativer Feuchte. Für 20 Grad Raumtemperatur sieht die Reihe so aus:
| Relative Luftfeuchte im Raum | Taupunkt | Alles kälter als … wird nass |
|---|---|---|
| 40 % | 6,0 °C | nur sehr kalte Flächen |
| 50 % | 9,3 °C | Einfachglas bei Frost |
| 60 % | 12,0 °C | altes Isolierglas |
| 65 % | 13,2 °C | altes Isolierglas, Wärmebrücken |
| 70 % | 14,4 °C | ungedämmte Laibungen, Raumecken |
| 80 % | 16,4 °C | fast jede Außenwandfläche |
Wie kalt die Scheibe innen wird, lässt sich ausrechnen. Dafür brauchst du den Ug-Wert der Verglasung und den Wärmeübergangswiderstand an der Innenseite. Das g in Ug steht für glazing, also für das Glas allein; der Wert sagt, wie viel Wärme je Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied durchgeht, gemessen in Watt je Quadratmeter und Kelvin. Je kleiner, desto besser. Der ist nach DIN EN ISO 6946 mit 0,13 Quadratmeter Kelvin pro Watt festgelegt; für den Tauwasser- und Schimmelnachweis behält DIN EN ISO 13788 diesen Wert bei Glas und Rahmen ausdrücklich bei, während sie für Wände 0,25 ansetzt. Daraus ergibt sich die Oberflächentemperatur, und aus der die Luftfeuchtigkeit, ab der es beschlägt.
Ab welcher Luftfeuchtigkeit beschlägt dein Fenster?
Das ist die Tabelle, die in den üblichen Ratgebern fehlt. Alle Werte gelten für 20 Grad Raumtemperatur und null Grad Außentemperatur, gemessen in der Glasmitte. Beide Prozentwerte beziehen sich auf die Raumluft, nicht auf das Glas. Die Spalte „Kritisch ab“ erklären wir gleich im Anschluss.
| Verglasung | Ug-Wert | Scheibe innen | Beschlag ab | Kritisch ab |
|---|---|---|---|---|
| Einfachverglasung (bis ca. 1975) | 5,8 | 4,9 °C | 37 % | 30 % |
| Zweifach-Isolierglas, unbeschichtet (ca. 1975–1995) | 2,9 | 12,5 °C | 62 % | 49 % |
| Zweifach-Wärmeschutzglas (ab ca. 2000) | 1,1 | 17,1 °C | 84 % | 67 % |
| Dreifach-Wärmeschutzglas (heutiger Neubau) | 0,6 | 18,4 °C | 91 % | 73 % |
Achte auf das richtige Kürzel. In der Tabelle stehen Ug-Werte, also die des Glases allein. Auf Angeboten und Fensteraufklebern steht meist der Uw-Wert für das gesamte Fenster einschließlich Rahmen. Der ist nicht einfach der Ug-Wert plus Zuschlag: Bei modernen Fenstern liegt er rund 0,2 bis 0,4 darüber, weil der Rahmen schlechter dämmt als das Glas. Bei alten einfachverglasten Holzfenstern liegt er darunter: Dort ist der Rahmen der bessere Teil, etwa Uw 4,7 gegen Ug 5,8. In beide Richtungen taugt der Uw-Wert deshalb nicht als Ersatz für den Ug-Wert dieser Tabelle. Die Werte oben sind Richtwerte typischer Bauarten; Einfachglas liegt je nach Quelle bei 5 bis 6, unbeschichtetes Isolierglas der Siebziger bei etwa 2,8 bis 3,0, heutiges Zweifach-Wärmeschutzglas bei 1,0 bis 1,1 und Dreifachglas bei 0,6 bis 0,8. Wärmeschutzglas der ersten Generation aus der Mitte der Neunziger liegt noch bei 1,3 bis 1,5, und dort beginnt der Beschlag schon bei rund 80 statt 84 Prozent.
Zwischen Einfachglas und Dreifachverglasung liegen 54 Prozentpunkte. Wer alte Kastenfenster hat, bekommt Beschlag schon bei 37 Prozent, also unterhalb des Korridors von 40 bis 60 Prozent, den jeder Ratgeber empfiehlt. Wer im Neubau wohnt und trotzdem beschlagene Scheiben hat, hat kein Fensterproblem, sondern einen Feuchteeintrag, der weit über dem Normalen liegt.
Deshalb geht der Standardrat oft ins Leere. Die verbreitete Empfehlung „40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit“ ist für modernes Glas völlig unkritisch und für Einfachverglasung unerreichbar. Bei 37 Prozent Beschlagsgrenze müsste man die Wohnung auf ein Klima herunterlüften, in dem Möbel reißen und Schleimhäute austrocknen. Bei alten Fenstern ist Beschlag kein Verhaltensfehler, sondern Bauphysik.
Und die Werte sind ein Schönwetterfall. Sinkt die Außentemperatur auf minus fünf Grad, rutscht die Beschlagsgrenze bei modernem Zweifachglas von 84 auf 80 Prozent, bei Einfachglas von 37 auf 28 Prozent. Pro Grad Außentemperatur verlierst du beim Wärmeschutzglas rund 0,74 Prozentpunkte, beim Einfachglas 1,74. Die erste Frostnacht ist deshalb regelmäßig der Morgen, an dem das Problem zum ersten Mal auffällt.
Warum Schimmel beginnt, bevor die Scheibe beschlägt
Jetzt zur Spalte „Kritisch ab“. Schimmel braucht kein flüssiges Wasser. Er braucht nur genug Feuchte an der Oberfläche, und diese Schwelle liegt deutlich unter dem Beschlagspunkt. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes ist dazu präzise: Das Wachstum beginnt „unter sonst optimalen Bedingungen bei ca. 70 % relativer Feuchte an der Oberfläche“. Bei 80 Prozent sind demnach „bei ausreichend hoher Oberflächentemperatur (deutlich im Plusgradbereich) die Wachstumsbedingungen für viele innenraumrelevante Schimmelpilzarten erreicht“, darüber für nahezu alle.
Bleibt die Feuchte über Wochen, wird aus dem Beschlag ein Belag. Dann gilt die Anleitung zum Entfernen von Schimmel.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und beide stehen in derselben Quelle. Auf dem Glas selbst wächst nichts: Schimmel braucht einen Nährboden, und glatte, dichte Materialien wie Glas bieten ihn erst, wenn sich Staub darauf abgesetzt hat. Und er braucht Wärme: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wächst er praktisch nicht. Gemeint ist deshalb nicht die Scheibe, sondern was um sie herum liegt: die Fensterlaibung, also die Mauerfläche seitlich und über dem Fenster, der Rahmen und die Raumecke daneben. Die sind kälter als die Glasmitte und erreichen die Schwelle früher.
Rechnet man diese 80 Prozent auf die Raumluft zurück, ergibt sich eine Regel, die für jedes Fenster und jede Temperatur gleich bleibt:
Die kritische Grenze liegt immer bei rund 80 Prozent des Wertes, ab dem die Scheibe beschlägt. Bei modernem Zweifachglas heißt das: Die Scheibe beschlägt ab 84 Prozent Raumluftfeuchte. Die kritischen 80 Prozent an der Oberfläche sind aber schon bei 67 Prozent Raumluftfeuchte erreicht. Dazwischen liegen 16,7 Prozentpunkte, in denen nichts zu sehen ist und trotzdem etwas wachsen kann.
Das dreht die übliche Logik um. Beschlagene Scheiben gelten als Frühwarnzeichen, das sie nicht sind: Wenn du Beschlag siehst, bist du nicht früh dran, sondern spät.
Du kannst das Problem also nicht mit den Augen überwachen. Du brauchst eine Zahl. Ein Hygrometer für wenige Euro liefert sie, und die Verglasungstabelle sagt, wo deine persönliche Grenze liegt. Soll dich das Hygrometer auch unterwegs warnen, etwa in einer Ferienwohnung, brauchst du ein Gerät mit WLAN oder Hub; welche das können, steht in unserem Vergleich der WLAN-Thermometer.
Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich für dich nicht.
Warum der Beschlag unten am Rand anfängt
Der Beschlag steht als schmaler Streifen am unteren Rand und kriecht von dort nach oben. Dafür gibt es zwei Gründe, die sich addieren.
Der erste steckt im Kürzel: Der Ug-Wert gilt für die Glasmitte. Am Rand sitzt der Randverbund, der die beiden Scheiben auf Abstand hält, und der leitet Wärme deutlich besser als die Gasfüllung dazwischen. Aus einem Ug-Wert von 1,2 kann dadurch ein effektiver Wert von 1,5 werden. Die Beschlagswerte sind also die günstige Annahme: Die Randzone erreicht ihre Grenze früher als die Glasmitte.
Der zweite Grund ist Luftschichtung. Kalte Luft ist schwerer und sammelt sich unten. Die Fensterbank, ein davorstehendes Möbelstück oder ein bis zum Boden reichender Vorhang schneiden die Scheibe zusätzlich von der Raumluft ab. Genau dort fällt die Temperatur noch einmal, und genau dort steht das Wasser dann auch.
In fünf Minuten herausfinden, woran es bei dir liegt
- Verglasung bestimmen
Halte eine Flamme oder eine Handy-Taschenlampe schräg vor die Scheibe und zähle die Spiegelbilder. Zwei Bilder heißen Einfachglas, vier heißen Zweifach, sechs heißen Dreifach. Ob eine Zweifachverglasung beschichtet ist, verrät der Farbton: Bei Wärmeschutzglas erscheint eines der Spiegelbilder leicht violett, bei altem unbeschichtetem Isolierglas sind alle gleich weiß.
- Deine Grenze ablesen
Such deine Verglasung im Abschnitt „Ab welcher Luftfeuchtigkeit beschlägt dein Fenster?“. Die Zahl, unter der du bleiben willst, steht in der Spalte „Kritisch ab“, nicht der höhere Beschlagswert.
- Messen, wo es kalt ist
Ein Hygrometer gehört nicht neben die Heizung und nicht in die Raummitte, sondern an die Innenwand in der Nähe des Fensters, etwa auf anderthalb Meter Höhe. Lass es zwei Stunden hängen, bevor du den ersten Wert ernst nimmst.
- Morgens messen, nicht abends
Der höchste Wert des Tages steht meist zwischen sechs und acht Uhr, nach einer Nacht mit geschlossenem Fenster und zwei schlafenden Menschen im Raum. Wer nur abends nach dem Lüften schaut, misst systematisch zu gut.
- Einordnen
Liegt deine Grenze unter 40 Prozent, also bei Einfachverglasung: Die ist in einer bewohnten Wohnung nicht zu halten, und das ist kein Versagen. Dann geht es nicht mehr um die Zahl, sondern um die kalten Stellen: Vorhang auf, Möbel abrücken, Heizkörper frei halten. Und mittelfristig um die Verglasung selbst. Wer zur Miete wohnt, meldet den Zustand dem Vermieter, statt gegen die Bauphysik anzulüften.
Liegst du unter deiner Grenze und die Scheibe beschlägt trotzdem, ist die Ursache lokal: dasselbe, was oben die Scheibe von der Raumluft abschneidet, oder eine Wärmebrücke, also eine Stelle, an der die Wand mehr Wärme durchlässt als daneben. Liegst du darüber, ist es Feuchteeintrag im ganzen Raum.
Was stattdessen hilft, und die fünf häufigsten Fehler
Das Fenster kippen statt öffnen. Der teuerste Fehler von allen, weil er sich richtig anfühlt. Das Umweltbundesamt ist hier eindeutig: Stoß- und Querlüftung sind das Mittel der Wahl, eine Lüftung über gekippte Fenster ist „deutlich weniger effektiv“. Schlimmer noch: Sie kühlt bei langem Kippen genau die Fensterlaibung und den Fenstersturz aus, und dort kommt es dann „zu Kondensation und damit gegebenenfalls zu Schimmelbildung“. Dauerkippen tauscht ein sichtbares Problem an der Scheibe gegen ein unsichtbares im Mauerwerk.
Was stattdessen hilft, ist schnell gesagt: Fenster ganz auf, wenige Minuten, danach wieder zu. Im Winter reichen dafür fünf bis zehn Minuten, im Herbst und Frühjahr eher zehn bis zwanzig, weil die Außenluft dann weniger Feuchte aufnimmt. Am wirksamsten ist es mit zwei gegenüberliegenden Fenstern gleichzeitig, der sogenannten Querlüftung. Und jetzt zu den Fehlern.
Nachts die Heizung ganz abdrehen. Jedes Grad weniger Raumtemperatur senkt auch die Scheibentemperatur. Die absolute Feuchtemenge im Raum bleibt dabei gleich, die relative Feuchte steigt also. Ein Schlafzimmer auf 16 Grad ist die klassische Kombination aus kalter Scheibe und zwei Menschen, die pro Nacht literweise Wasserdampf abgeben.
Die Tür zum Bad oder zur Küche offen lassen. Feuchte Luft wandert in den kältesten Raum der Wohnung und kondensiert dort. Wer nach dem Duschen die Badtür öffnet, statt das Badfenster zu öffnen, verlagert das Problem nur, meistens ins Schlafzimmer.
Wäsche im Wohnraum trocknen. Das Umweltbundesamt nennt, nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, die Feuchteabgabe einer geschleuderten 4,5-Kilo-Trommel auf 50 bis 200 Gramm pro Stunde, bei tropfnasser Wäsche auf 100 bis 500. Ein Wäscheständer im Schlafzimmer kann die Feuchtelast des Raums über Nacht mehr als verdoppeln.
Nur abwischen und sonst nichts ändern. Abwischen ist trotzdem richtig, weil stehendes Wasser den Rahmen und die Dichtung angreift. Es behebt nur nichts. Wer täglich die Scheibe trockenzieht, sollte das als Symptombehandlung verbuchen. Ein Akku-Fenstersauger macht die Arbeit schneller, ändert aber an der Ursache nichts. Dasselbe gilt für einen Fensterputzroboter: Er putzt kleine, schwer erreichbare Scheiben, gegen den Beschlag hilft er nicht. Ab welcher Glasfläche er überhaupt arbeitet, steht in unserem Vergleich der Fensterputzroboter für kleine Fenster.
Wie viel Wasser überhaupt in deiner Wohnung landet
Das Umweltbundesamt rechnet für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit 6 bis 12 Litern Feuchtigkeit pro Tag, die allein durch die Bewohner in die Luft gelangen. Die Einzelwerte aus derselben Tabelle machen greifbar, wo das herkommt: Ein Mensch bei leichter Aktivität gibt 30 bis 40 Gramm pro Stunde ab, Kochen und Duschen schlagen mit je 270 Gramm pro Person und Tag zu Buche, Zimmerpflanzen mit 1 bis 5 Gramm pro Stunde.
Diese Menge muss irgendwo hin. Deshalb tritt das Problem so oft nach einer Sanierung auf: Das Umweltbundesamt beziffert den Luftwechsel durch Undichtigkeiten in einer unsanierten Altbauwohnung beispielhaft auf 0,5 pro Stunde, also den halben Rauminhalt je Stunde. Dort reicht „eine einzige Stoßlüftung morgens“. Nach dem Einbau dichter Fenster fällt derselbe Wert auf 0,1 pro Stunde. Das ist ein Fünftel. Die Feuchte bleibt gleich, der Abtransport bricht weg.
Neue Fenster machen die Scheibe also wärmer und die Luft feuchter, zwei Effekte, die gegeneinander laufen. Bei einem reinen Fenstertausch ohne Dämmung der Wände kann der zweite den ersten überholen: Die Scheibe beschlägt nicht mehr, dafür wächst der Schimmel jetzt in der kalten Raumecke, die vorher trocken war.
Im Wohnmobil wird es noch enger: Dort wird auf wenigen Kubikmetern geschlafen, gekocht und geduscht. Wie viel Wasser dabei am Tag entsteht und wann Lüften im Fahrzeug überhaupt trocknet, rechnet unser Vergleich der Luftentfeuchter fürs Wohnmobil vor.
Drei Sonderfälle: Beschlag außen, zwischen den Scheiben, im Neubau
Der Beschlag sitzt außen. Das sieht morgens dramatisch aus und ist ein gutes Zeichen. Wenn die äußere Scheibe von außen betaut, gibt das Fenster so wenig Wärme nach außen ab, dass sich das Glas unter die Umgebungstemperatur abkühlen kann. Das passiert nur bei sehr guter Verglasung, meist in klaren Nächten. Hier ist nichts zu tun.
Der Beschlag sitzt zwischen den Scheiben. Hier hilft kein Lüften und kein Entfeuchter. Beschlag im Scheibenzwischenraum bedeutet, dass der Randverbund undicht ist und die Gasfüllung durch Außenluft ersetzt wurde. Das Glas ist damit technisch defekt, die Dämmwirkung ist beeinträchtigt und die Durchsicht dauerhaft getrübt. Der Austausch betrifft nur die Scheibe, nicht das ganze Fenster.
Neubau oder frische Sanierung. In den Baustoffen eines massiv errichteten Einfamilienhauses stecken mehrere tausend Liter Wasser. Die endgültige Durchtrocknung kann nach Angaben des Umweltbundesamtes je nach Bauausführung bis zu einigen Jahren dauern. In den ersten Heizperioden ist erhöhte Feuchte deshalb normal und kein Nutzungsfehler. Sie muss trotzdem raus, sonst landet sie in der Bausubstanz.
Wann ein Luftentfeuchter die richtige Antwort ist
Lüften ist immer der erste Hebel, weil es nichts kostet. Es hat aber eine Grenze: Man kann nur so weit entfeuchten, wie die Außenluft trocken ist. Im Winter ist das fast immer gegeben: Kalte Luft trägt kaum Wasser, und im Raum erwärmt sie sich und wird relativ trocken. Im Herbst und Frühjahr bei zwölf Grad und Nieselregen funktioniert das nicht mehr.
Ein Entfeuchter lohnt sich, wenn eine dieser drei Bedingungen zutrifft:
- Du misst über Wochen Werte oberhalb deiner Grenze aus der Tabelle, obwohl du zwei- bis dreimal
täglich stoßlüftest. - Der Raum lässt sich nicht sinnvoll lüften: Keller ohne Fenster, Souterrain, Innenbad.
- Es gibt eine dauerhafte Feuchtequelle, die du nicht abstellen kannst, etwa das Trocknen von
Wäsche ohne Alternative.
Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich für dich nicht.
Es gibt noch einen dritten Weg, den die meisten Ratgeber auslassen: mehr Luftwechsel, ohne dass jemand ein Fenster öffnen muss. Fensterfalzlüfter sind kleine Durchlässe im Rahmen, die über die Fuge eine Grundlüftung herstellen und sich bei vielen Fenstern nachrüsten lassen. Dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung gehen weiter: Sie tauschen die Luft dauerhaft und holen einen Teil der Wärme zurück. Für Wohnungen, in denen niemand tagsüber lüften kann, ist das oft die sauberere Lösung als ein Entfeuchter, der die Feuchte nur einsammelt statt sie hinauszubringen.
Umgekehrt bringt ein Gerät wenig, wenn die Ursache eine kalte Stelle ist und nicht zu viel Wasser. Bei einer Wärmebrücke oder einer ungedämmten Laibung entfeuchtest du gegen die Physik an. Und der Aufstellort: Zu nah an der Wand zieht das Gerät seine eigene Abluft wieder an. Was dabei zu beachten ist, steht in unserem Beitrag zum Aufstellen von Luftentfeuchtern. Welche Geräteklasse zu welchem Raum passt, klärt der Vergleich der Luftentfeuchter unter 200 Euro; für feuchte Kellerräume ist der Kellerentfeuchter-Vergleich die passendere Anlaufstelle.
Die Reihenfolge, die wir empfehlen: erst messen, dann das Lüftungsverhalten ändern, dann die Feuchtequellen abstellen, und erst danach ein Gerät kaufen. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, braucht in vielen Wohnungen gar keins. Und wer eines braucht, weiß dann wenigstens, wie viele Liter pro Tag es schaffen muss.
- Für den häufigsten Fall, mehrere Wohnräume
- Dauerablauf spart das tägliche Leeren
- Hygrostat abschalten lassen, wenn die Zielfeuchte erreicht ist
- Für Räume ohne Lüftungsmöglichkeit gedacht
- Bei Dauerbetrieb entscheidet die Leistungsaufnahme über die Kosten, nicht der Kaufpreis
- Arbeitet nur oberhalb der vom Hersteller genannten Mindesttemperatur
- Für offene Grundrisse und nicht abstellbare Feuchtequellen
- Schaltet über den Hygrostat selbst ab, sobald die Zielfeuchte erreicht ist
- Braucht mehr Stellfläche und ist im Betrieb deutlicher hörbar
Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich für dich nicht.
Häufige Fragen zu beschlagenen Fenstern
Ab welcher Luftfeuchtigkeit beschlagen Fenster von innen?
Das hängt allein an der Verglasung. Bei 20 Grad Raumtemperatur und null Grad Außentemperatur beschlägt Einfachverglasung schon ab rund 37 Prozent relativer Luftfeuchte, ein unbeschichtetes Zweifach-Isolierglas aus den Achtzigern ab etwa 62 Prozent, modernes Zweifach-Wärmeschutzglas erst ab 84 Prozent und Dreifachverglasung ab 91 Prozent. Eine pauschale Zahl für alle Fenster gibt es deshalb nicht.
Ist Kondenswasser am Fenster gefährlich?
Das Wasser auf dem Glas selbst schadet nichts, solange es abgewischt wird. Das Problem ist, was es anzeigt. Sichtbarer Beschlag bedeutet 100 Prozent Feuchte an der Glasoberfläche, und die Schimmelgrenze liegt darunter: Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes beginnt Wachstum bereits bei etwa 70 Prozent Oberflächenfeuchte, bei 80 Prozent sind die Bedingungen für viele Schimmelpilzarten erfüllt, sofern die Oberfläche dabei deutlich über null Grad liegt. Gemeint ist nicht das Glas selbst – dort fehlt der Nährboden –, sondern die Fensterlaibung, der Rahmen und die Raumecke daneben. Wenn die Scheibe beschlägt, ist diese Schwelle an Laibung und Raumecken meist längst überschritten.
Warum beschlagen meine Fenster erst, seit sie neu sind?
Weil neue Fenster dicht sind. Das Umweltbundesamt nennt für eine unsanierte Altbauwohnung mit undichten Fenstern beispielhaft einen Luftwechsel von 0,5 pro Stunde, nach dem Einbau dichter Fenster nur noch 0,1 pro Stunde. Die Feuchtemenge im Haushalt bleibt gleich, der unbemerkte Abtransport durch Fugen fällt weg. Deshalb muss nach einem Fenstertausch bewusster gelüftet werden als vorher.
Hilft es, das Fenster zu kippen?
Nein, das ist der häufigste Fehler. Das Umweltbundesamt bezeichnet Stoß- und Querlüftung als Mittel der Wahl und die Kippstellung als deutlich weniger effektiv. Dauerhaftes Kippen kühlt in der kalten Jahreszeit zusätzlich Fensterlaibung und Fenstersturz aus, sodass es dort zu Kondensation und damit möglicherweise zu Schimmel kommt. Besser sind mehrmals täglich einige Minuten mit ganz geöffnetem Fenster, am wirksamsten mit gegenüberliegenden Fenstern gleichzeitig.
Warum beschlägt das Fenster unten am Rand zuerst?
Der Ug-Wert einer Verglasung gilt für die Glasmitte. Am Rand sitzt der Randverbund, der die Scheiben auf Abstand hält und Wärme besser leitet als die Gasfüllung, wodurch aus einem Ug-Wert von 1,2 ein effektiver Wert von etwa 1,5 werden kann. Dazu sammelt sich kalte Luft unten, und Vorhänge oder Möbel vor dem Fenster schneiden die Scheibe von der warmen Raumluft ab.
Was bedeutet Beschlag zwischen den Scheiben?
Dass die Verglasung defekt ist. Beschlag im Scheibenzwischenraum entsteht, wenn der Randverbund undicht geworden ist und feuchte Außenluft die Gasfüllung ersetzt hat. Lüften und Entfeuchten helfen dagegen nicht, weil die Feuchtigkeit im geschlossenen Glasaufbau sitzt. Das Glas hat damit auch seine Dämmwirkung eingebüßt und muss getauscht werden, in der Regel nur die Scheibe und nicht das ganze Fenster.
Mein Fenster beschlägt von außen, ist das schlimm?
Im Gegenteil, das ist ein gutes Zeichen. Betaut die äußere Scheibe von außen, gibt das Fenster so wenig Wärme nach außen ab, dass sich das Glas in klaren Nächten unter die Umgebungstemperatur abkühlen kann. Das passiert nur bei sehr gut dämmender Verglasung und verschwindet mit der Morgensonne von selbst. Es ist kein Defekt und erfordert keine Maßnahme.
Warum beschlagen die Fenster im Schlafzimmer am stärksten?
Weil dort drei Dinge zusammenkommen. Zwei schlafende Menschen geben über Nacht rund einen halben bis einen Liter Wasser an die Raumluft ab, die Tür bleibt meist zu, und das Schlafzimmer wird häufig kühler gehalten als der Rest der Wohnung. Eine niedrigere Raumtemperatur senkt aber auch die Scheibentemperatur, während die Feuchtemenge gleich bleibt – die relative Luftfeuchtigkeit steigt also doppelt. Deshalb steht der höchste Wert des Tages meist morgens im Schlafzimmer.
Wie viel Feuchtigkeit entsteht in einem Haushalt pro Tag?
Das Umweltbundesamt rechnet für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit etwa 6 bis 12 Litern Wasser am Tag, die allein durch die Bewohner in die Raumluft gelangen. Ein Mensch gibt bei leichter Aktivität 30 bis 40 Gramm pro Stunde ab, Kochen und Duschen kommen mit je 270 Gramm pro Person und Tag hinzu, eine geschleuderte 4,5-Kilo-Wäschetrommel mit 50 bis 200 Gramm pro Stunde.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen beschlagene Fenster?
Ja, wenn die Ursache zu viel Feuchtigkeit ist und nicht eine zu kalte Fläche. Sinnvoll ist ein Gerät, wenn die gemessene Luftfeuchte trotz zwei- bis dreimal täglichem Stoßlüften dauerhaft über der Grenze der eigenen Verglasung liegt, wenn sich der Raum nicht sinnvoll lüften lässt oder wenn eine Feuchtequelle nicht abstellbar ist. Bei einer Wärmebrücke oder ungedämmten Laibung arbeitet das Gerät dagegen gegen die Bauphysik an.
Wo hänge ich das Hygrometer richtig auf?
Nicht in die Raummitte und nicht neben die Heizung, sondern an eine Innenwand in Fensternähe auf etwa anderthalb Meter Höhe. Nach dem Aufhängen zwei Stunden warten, bevor der erste Wert zählt. Wichtig ist außerdem der Messzeitpunkt: Der höchste Wert des Tages steht meist zwischen sechs und acht Uhr morgens, nach einer Nacht mit geschlossenem Fenster. Wer nur abends nach dem Lüften misst, bekommt systematisch zu gute Werte.
Fazit
Beschlagene Fenster sind kein Sauberkeitsproblem und meistens auch kein Verhaltensfehler. Sie sind die sichtbare Stelle, an der Raumluft und Bauphysik zusammentreffen, und die Schwelle dafür ist bei jedem Fenster eine andere. Wer sie kennt, kann sein Verhalten daran ausrichten, statt einer pauschalen Empfehlung zu folgen, die für die halbe Republik nicht passt.
Alle Werte dieses Beitrags sind gerechnet, nicht geschätzt. Das Skript dahinter hält jede Zahl gegen die Formel und bricht ab, sobald eine im Text von der Rechnung abweicht.
Die wichtigere Zahl ist aber die zweite. Die Schimmelgrenze liegt bei 80 Prozent des Beschlagswerts, und dieser Abstand ist der blinde Fleck: Wer wartet, bis die Scheibe nass wird, hat die kritische Feuchte schon eine ganze Weile im Raum. Ein Hygrometer und die Zeile aus der Tabelle, die zu deinem Fenster gehört, ersetzen dieses Warten durch eine Zahl.